Das Uranbergwerk Königstein

 

Die amerikanischen Atombombenabwürfe am Ende des Zweiten Weltkrieges brachten die Sowjetunion in den Zugzwang, ebenfalls rasch eigene Atombomben zu entwickeln. Dabei war das Wissen um den Bau der Bombe vorhanden, es mangelte jedoch an den dafür notwendigen natürlichen Uranvorkommen. Im eigenen Land und in den sowjetischen Besatzungszonen in Deutschland, der Tschechischen Republik, Polen und Bulgarien setzten umfangreiche Erkundungen nach Uranvorkommen ein, die schon schon ab 1946 insbesondere im sächsichen und böhmischen Erzgebirge erfolgreich verliefen und in den folgenden Jahren zum Aufschluss zahlreicher Bergwerke führte. Dies führte in der sowjetischen Besatzungszone in Deutschland zur Gründung des Unternehmens Wismut, welches den Tarnnamen des Minerals führte, aber einzig der Erkundung, dem Abbau und der Aufbereitung der Uranvorkommen diente. Nach einer vergleichsweisen "wilden" Anfangszeit mit zahlreichen teils nur kurzzeitig, unter fragwürdigen Sicherheitsbedingungen und nur bedingt produktiven Bergwerken erfolgte in den 1950er und 1960er Jahren eine Phase der Modernisierung und Konsolidierung ein. Die Tägigkeiten der Wismut konzentrierten sich in Sachsen und Thüringen auf einige wenige, dafür aber leistungsfähige Bergwerke. Parallel liefen in der DDR Erkundungen nach weiteren Vorkommen, welche die Geologen 1961 auch in das Gebiet um Königstein und Rosenthal in der Sächsischen Schweiz führte.

 

Hier wurde man 1963 nahe Leupoldishain fündig. Die erkundete Sandstein-Lagerstätte verfügte über an cenomane Sedimente gebundene und flach lagernde Erzkörper. Insgesamt wurde auf einer Fläche von 25 km² ein Vorrat von ca. 30.000 Tonnen Uran erkundet. Die Haupttagesanlagen des 1967 in Betrieb genommenen Bergwerks lagen auf einer Hochfläche ca. 3 km westlich von Königstein nahe des Dorfes Leupoldishain und unmittelbar im Sichtfeld der bekannten Festung Königstein. Hier errichtete die Wismut u.a . die Doppelschachtanlage 388/390, Maschinenhäuser, ein Umspannwerk, eine Verdichterstation, Verwaltungsgebäude und Materiallagerplätze. Hinzu kamen im Umfeld die Schächte 387, 392 und 398. Die Lagerstätte wurde auf vier Sohlen in 25, 50, 94 und 135 Meter über Normalnull ausgerichtet. Die +25-m-Sohle als tiefste Sohle der Grube liegt am Hauptschacht 390 rund 300 Meter unter Tage. Wegen der Lage des Bergwerks im bedeutsamen Landschaftsschutzgebiet Elbsandsteingebirge wurde das Aufschütten einer Hochhalde nicht genehmigt, so dass vor allem Schluchten der Umgebung wie dem Schüsselgrund zur Lagerung der Berge benutzt wurden.

 

Die Förderung erfolgte zunächst konventionell. Seit Mitte der 1970er-Jahre verschlechterten sich die Abbaubedingungen durch den abnehmenden Urangehalt und ungünstiger verlaufende Streichrichtungen der Vererzungen. Deshalb wurde der konventionelle Abbau durch chemische Gewinnungsverfahren zu ersetzt. Als wichtigstes Verfahren kam dabei die Untertagelaugung mit einer schwefelsauren Lösung zum Einsatz. Ergänzend erfolgte die Laugung von Armerz auf der Schüsselgrundhalde und die Abtrennung des Urans aus dem Schachtwasser.

 

Insgesamt förderte das Bergwerk bis 1990 18.006 Tonnen Uran, darunter 12.251 Tonnen durch konventionellen Abbau und 5.755 Tonnen mittels Untertage- und Haufenlaugung sowie der Schachtwasserreinigung. Die Förderhöhepunkte waren die Jahre 1971–1978 mit jährlichen Förderleistungen von 1.000 bis 1.200 Tonnen. In den 1980er Jahren ging der Abbau auf ca. 450 Tonnen pro Jahr zurück. Dennoch war der Bergbaubetrieb Königstein der am kostengünstigsten arbeitende Betrieb der Wismut in dieser Zeit.

 

Die Zahl der Beschäftigten belief sich bis 1990 auf etwa 2.200. Damit war das Bergwerk über lange Jahre einer der wichtigsten Arbeitgeber in der Region Sächsische Schweiz. Wohnstandort für die Beschäftigten wurde in den 1960er Jahren das Wohngebiet Sonnenstein im nahen Pirna umfangreich erweitert. Weitere Wohnungen entstanden im Stadtteil Copitz ebenfalls in Pirna.

 

Der Abbau im Uranbergwerk Königstein wurde im Zuge des wirtschaftlichen Umbruchs und der Deutschen Einheit 1990 eingestellt. Die Sanierung gestaltete sich zeit- und kostenaufwendig, da für die Außerbetriebnahme chemisch betriebener Urangruben kaum auf nutzbare Erfahrungen zurückgegriffen werden konnte. So wurde die Flutung der Grube erst nach umfangreichen Vorbereitungen 2001 schrittweise eingeleitet. Im Laufe des Jahres 2012 wurde die untertägige Sanierung abgeschlossen und der letzte Schacht abgeworfen. Die Flutung der Grube wurde Mitte 2013 durch das Sächsische Oberbergamt gestoppt, da durch die weiter aufsteigenden Grubenwässer die Gefahr der radioaktiven Kontaminierung eines Grundwasserleiters mit Uran und weiteren Schwermetallen über das zulässige Maß hinaus besteht. Seitdem wird der Wasserspiegel künstlich auf einem Niveau von 140 Metern über Normalnull gehalten.

 

Im Zuge der Sanierung fielen seit 1990 noch Uran-Restmengen als Nebenprodukt der Grubenwasserreinigung an, die verkauft wurden. Insgesamt wurden zwischen 1990 und 2021 noch rund 2.000 Tonnen Uran aus Königstein  auf dem Weltmarkt verkauft.

 

Über Tage begann im September 2014 der Rückbau der Tagesanlagen um die Fördertürme der Doppelschachtanlage 388/390, die bis Mitte 2015 demontiert wurden. 2018 wurde ein neues Funktionsgebäude mit Büros, Laboren, Umkleideräumen und einem Techniklager errichtet und das alte Funktions- und Verwaltungsgebäude in den Folgejahren abgebrochen. Insgesamt wurde die Kernsanierung und damit die wesentlichen übertägigen Flächensanierungen und Rückbauarbeiten bis 2025 realisiert. Umweltüberwachungsarbeiten werden aber auch noch darüber hinaus notwendig sein. Die 2020 neu errichtete Wasseraufbereitungsanlage ist für eine Betriebsdauer von 30 Jahren konzipiert. Die Sanierungskosten am Standort Königstein beliefen sich allein bis Ende 2015 auf 1.070 Millionen €.

 

(Hinweis: Der Text entspricht in Teilen dem Wikipedia-Eintrag zur Lagerstätte Königstein, an dessen Inhalten wir mitgeschrieben haben.)

 

Die nachfolgenden Bilder stammen von einer Befahrung der +94-m-Sohle im Sommer 2009.

 

Literatur und weiterführende Informationen

  • Manfred Hickmann: Vom Erzgebirge in die Sächsische Schweiz. Zum Uranbergbau der SDAG Wismut. in: Stadtmuseum Pirna (Hrsg.): Jahrhundertrückblicke. Beiträge zur Geschichte des Landkreises Sächsische Schweiz 1901-2001. Pirna 2001, S. 54-79
  • Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie / Sächsisches Oberbergamt (Hrsg.): Die Uranlagerstätte Königstein. Reihe Bergbau in Sachsen Band 7, Freiberg 2000 (LINK)
  • Wismut GmbH (Hrsg.): Chronik der Wismut. Chemnitz 1999 (2. Auflage, Chemnitz 2011)
  • wikipedia-Eintrag "Lagerstätte Königstein" (LINK)