Bergbau und untertägige Nutzungen in der Sächsischen Schweiz

 

Während das benachbarte Erzgebirge durch seinen Namen selbst die Assoziation zum Bergbau in sich trägt, trifft das für die Sächsische Schweiz auf den ersten Blick nicht zu. Zwar ist die Gewinnung des Sandsteins selbst untrennbar mit der Region verbunden. Andere Bergbauzweige, wie die Gewinnung von Erz oder Kalk, verbindet man mit der Felsregion auf den ersten Blick jedoch nicht – auch wenn die Fördertürme der Doppelschachtanlage des Uranbergwerks Königstein bis zu ihrem Abbruch 2015 einen deutlichen Hinweis zumindest auf den modernen Bergbau gaben.

 

Aufmerksame Ausflügler und Wanderer können jedoch an mehreren Stellen links und rechts der Elbe Zeugnisse historischer Bergbauaktivitäten entdecken. Verschiedene Mundlöcher und Halden und nicht zuletzt zahlreiche Flur- und Wegenamen künden bis heute vom Umgang des Bergbaus auch in der Sächsischen Schweiz. Hinzu kommen der historische Hochofen Brausenstein und mehrere gusseiserne Ofenplatten als Zeugnisse des Berggießhübeler Bergbaus und des damit verbundenen Eisenhüttenwesens des "Pirnisch Eisen" an seinen Standorten in der linkselbischen Sächsischen Schweiz. 

 

Auch mit Blick auf die geologischen Gegebenheiten lassen sich folgende bergbauliche Teilgebiete unterscheiden:

  • Bergbau im Zusammenhang mit basischem Vulkanismus des Paläogen und Neogen im Kontaktbereich von Vulkaniten und Sandstein sowie Bergbau auf den aus den Vulkaniten ausgeschwemmten Schwermineralen, z. B. im Specksteinstollen am Gohrisch, am Eisenhübel bei Schöna und im Seufzergründel bei Hinterhermsdorf,
  • Bergbau auf verschiedenen Ablagerungen von Sanden und Kiesen älterer Elbeverläufe, die Gold aus Primärvorkommen in Böhmen und im Erzgebirge mit sich führten, z. B. bei Altendorf und Lichtenhain,
  • Bergbau auf kalkhaltige Juragesteine, die entlang der Lausitzer Überschiebung, d. h. an der geologischen Grenze zwischen Sandstein und Lausitzer Granit, aufgepresst wurden, z. B. in Zeschnig, Hohnstein, Saupsdorf und Hinterhermsdorf (fortführend bis Khaa (Kyjov) in der Böhmischen Schweiz),
  • Bergbau auf basische Ganggesteine und Quarzgänge mit Sulfidvererzungen im Lausitzer Granitmassiv im nördlichen Umfeld der Lausitzer Überschiebung, z. B. im Segen-Gottes-Stolln im Polenztal und im St.-Michaelis-Stolln im Sebnitztal.

Hinzu kamen Abbauversuche auf kohlehaltige Partien, die aus Pflanzenresten oder Treibhölzern des Kreidemeeres entstanden waren, z. B. in Pirna, bei Zatzschke, bei Bad Schandau, Langenhennersdorf, im Lohmgrund nördlich von Cotta, bei Rosenthal, bei Zehista sowie im Gebiet der Zschirnsteine. 

 

Eine bergbauhistorische Randnotiz war die Gewinnung von Flussgold aus der Elbe, welches vermutlich überwiegend von Festgesteinslagerstätten in Tschechien, u. a. im Riesengebirge und in Mittelböhmen südlich von Prag, stammt, mit dem Wasser von Moldau und Elbe talabwärts transportiert und sich an Flussstellen mit niedri-
ger Fließgeschwindigkeit ablagert hat.

 

Ebenfalls unbedeutend blieb die Gewinnung von Scheuer- und Dielensand aus den sogenannten Höhlenhori-
zonte im Elbsandstein, an denen tonig-schluffige Sedimente wasserstauend wirkten und so die Sand-
steinverwitterung und Entstehung von Schichtfugenhöhlen begünstigten. Bekannte Abbauorte befanden sich am Kleinhennersdorfer Stein, am Gamrig, am Lilienstein und am Rauenstein.

 

Ganz und gar nicht unbedeutend war hingegen der moderne Uranbergbau der Wismut in Königstein, der von 1967 bis 1990 erfolgte. Das Uran der Lagerstätte Königstein stammt vorwiegend aus der Verwitterung variszischer Granite des Erzgebirges (v. a. Granit von Markersbach). Es wurde sekundär durch oxidierende Grundwässer mobilisiert und postsedimentär in den Sandsteinen der Kreide über Redoxprozesse angereichert.

 

Jenseits des Bergbaus stellen die sogenannten U(untertage)-Verlagerungen aus der Endphase des Zweiten Weltkrieges eine besondere Form untertägiger Aktivitäten dar. Zur bombensicheren Verlagerung der Rüstungs- und Mineralölüroduktion erfolgte 1944/45 in der Herrenleite, im Polenztal und im Elbtal bei Strand die Anlage von Stollensystemen. Ausgewählt wurden dabei Standorte mit steilen/ senkrechten Sandsteinwänden (teils ehem. Steinbrüche), die eine massive Überdeckung zum Schutz vor Bombenangriffen und einen nahen Anschluss ans Eisenbahnnetz boten. Der Bau der Anlagen erfolgte durch KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter, wobei keine der Anlagen bis Kriegsende fertiggestellt wurde.