Zur Geschichte des Silberbergbaus in Reichenau bei Frauenstein

Der Reichenauer Bergbau ist urkundlich seit dem frühen 16. Jahrhundert bekannt. Grundlage des Abbaus waren mehrere Silbererzgänge der edlen Quarzformation, die sich in einem etwa 2.000 x 200 Meter großen Grubenfeld westlich von Reichenau befanden.

 

Die beiden wichtigsten (und ältesten?) Gruben waren "Friedrich August" und "Friedrich Christoph". Letztere Grube lieferte bereits seit 1520 mit Unterbrechungen Silber nach Freiberg. Die Pochwerke und Schmelzhütten der Reichenauer Gruben befanden sich im Gimmlitztal südlichwestlich von Reichenau. Beide Grubenbereiche besaßen vermutlich bereits frühzeitig Entwässerungsstollen zum Bobritzschtal.

 

Von den Wirren des Dreißigjährigen Krieges erholte sich der Bergbau erst Ende des 17. Jahrhunderts allmählich, die Erfolge blieben jedoch (vorerst) bescheiden. "Friedrich August" lieferte zwischen 1711 und 1784 nur knapp 187 Kilogramm Silber, wiederholt war man hier beim Vortrieb auf bereits weitgehend ausgeerzte Bereiche des frühen Bergbaus gestoßen. 1799 brach zudem die Zimmerung des Linsenschachtes, des Hauptschachtes von "Friedrich August", in sich zusammen.

 

Unter diesen schwierigen Bedingungen erschien nur eine Maßnahme für die Aufrechterhaltung des Bergbaus erfolgversprechend: die Erschließung tieferer (noch unerschlossener) Bereiche der Erzgänge. Dafür wurde der "Friedrich Christoph Stolln" als tiefster Entwässerungsstollen vom Grubenfeld "Friedrich Christoph" ins Grubenfeld von "Friedrich August" verlängert. "Friedrich Christoph" arbeitete zu dieser Zeit rentabler, als "Friedrich August", zwischen 1787 und 1834 erbrachte die Grube eine Ausbeute von fast 2.800 Kilogramm Silber.

 

1834 wurden beide Gruben vereinigt. 1850 erreichte der "Friedrich Christoph Erbstolln" nach einer Länge von ca. 2 Kilometern den Linsenschacht an der Straße Frauenstein - Hermsdorf. Die Jahre ab 1855 erbachten nochmals hoffnungsvolle Erzanbrüche, allein 1865 konnten 477 Kilogramm Silber erschmolzen werden. Von da an ließ die Ausbeute jedoch nach. Weitere Erze wurden in größeren Tiefen vermutet, wegen der Unsicherheit dieser Vermutung ließ sich jedoch ein weiterer Vortrieb über die bislang erreichte Teufe von reichlich 200 Metern hinaus nicht finanzieren. Deshalb wurde der Reichenauer Bergbau 1887/88 endgültig stillgelegt.

 

Heute zeugen Halden, Schachtpingen, das Huthaus der Grube "Friedrich Christoph" (erbaut 1795) und das Mundloch des "Friedrich Christoph Erbstolln" von der Reichenauer Bergbaugeschichte. Der "Friedrich Christoph Erbstolln" wurde 2008-2010 vom sächsischen Oberbergamt saniert, um die geregelte Wasserabführung aus den alten Grubenbauen zu gwährleisten. Im Gimmlitztal haben Bergbaufreunde in den letzten Jahren zudem die Grundmauern der alten Silberwäsche freigelegt.

 

Die nachfolgenden Bilder vermitteln einige Impressionen der in Reichenau noch vorhandenen Bergbausachzeugen.

Haldenzug im Bereich der Friedrich-August-Fundgrube
Haldenzug im Bereich der Friedrich-August-Fundgrube

Literatur und weiterführende Informationen

  • Stefan Adlung, Wolfgang Barsch: Fundstein des „Samuel Stehenden“ der Grube „Friedrich Christoph Erbstolln“ zu Reichenau bei Frauenstein". Erzgebirgische Heimatblätter, Jg. 34, Heft 1/2012, online unter http://digital.ub.tu-freiberg.de/id410541877
  • Matthias Kreibich: Beitrag zur Bergbaugeschichte von Frauenstein-Reichenau. Ehrenfriedersdorf 2014
  • Rudolf Schumann: Manuskripte zur Bergbaugeschichte des Osterzgebirges. Jens-Kugler-Verlag, Kleinvoigtsberg 2003