Die Gotteszeche bei Bad Gottleuba

 

Die Gotteszeche am linken Hang des Mordgrundes zwischen Bienhof und Hellendorf stellt ein besonderes Kapitel der Bergbaugeschichte des Berggießhübler Reviers dar. Einerseits wurde hier nicht auf Eisenerze gebaut und andererseits zeigt die Geschichte dieses Bergwerks, welch kuriose Blüten ein auf Spekulation gerichtetes „Berggeschrei“ treiben kann.

 

Befundsituation und Quellenlage

Spuren der Gotteszeche zeichnen sich westlich des Rückhaltebeckens Mordgrundbach in insgesamt drei Arealen ab. Zunächst in Form einer Schachthalde mit Pinge auf der Hochfläche (A), dann durch eine Rösche mit vorgelagerter Halde am oberen Lauf des sogenannten Apothekerwassers (B) sowie durch eine massive Halde am unteren Ende des Rückhaltebeckens (C).

 

(Reliefkarte: Quelle: GeoSN, dl-de/by-2-0)
(Reliefkarte: Quelle: GeoSN, dl-de/by-2-0)

Areale mit übertägig erkennbaren Spuren der Gotteszeche:

(A) Tagesschacht , genannt Juliusschacht oder Ernst-Wilhelm-Schacht

(B) Rösche des Schurfstollen mit Halde

(C) Stollenhalde des Erbstollens, dessen ungefährer Verlauf als hellblaue Linie dargestellt ist

 

Über das Bergwerk Gotteszeche existieren im Bergarchiv Freiberg insgesamt drei Grubenakten, die den Zeitraum 1858 bis 1895 sowie 1923 bis 1929 umfassen. Zudem verfasste Georg Moesta 1924 ein Gutachten zur perspektivischen Wiederaufnahme des Bergbaus. Leider existieren keine Aufzeichnungen über den Ursprung des Bergwerks, von dem lediglich bekannt ist, dass es um das Jahr 1810 auflässig geworden war.

 

Zur Geologie

Die Gotteszeche befindet sich in einer Zone, die in geologischer Hinsicht recht einheitlich aus grob- bis mittelkörnigem Biotitgneis aufgebaut ist. Offenbar gebunden an eingedrungene magmatische Schmelzen kam es hier zu schwachen Vererzungen, die sowohl gangartig wie auch linsenartig ausgeprägt sind. Die 1913 angefertigte geologische Karte verzeichnet im Bereich der Gotteszeche dementsprechend einen Erzgang der kiesigen Blei- und Silbererzformation sowie 3 Gänge der barytischen Silbererzformation. Aus diesem Grund wurde die Gotteszeche auch als „Barytsilbergrube“ (Jobst & Grundig 1961) bezeichnet.

 

An Erzen und sonstigen Mineralien (Gangarten) wurde im Laufe des Betriebs in unterschiedlicher Menge aufgefunden: Rotgültigerz (= Proustit / Pyrargyrit), Fahlerz, Antimonglanz (= Stibnit), Bleiglanz (= Galenit), Speiskobalt (= Skutterudit), Arsenkies (= Arsenopyrit) und Arsensulfide, Kupferkies (= Chalkopyrit), roter und weißer Nickelkies (= Millerit), Flussspat (= Fluorit), Braunspat (= Ankerit), Kalkspat (= Calcit), Schwerspat (= Baryt)

Die 1882 geschmolzenen Erze der Gotteszeche erbrachten einen Gehalt von „220 Pfundtheil Silber“.

 

Im Bereich der Gotteszeche verzeichnete Erzgänge:

(ba) = barytische Silbererzformation

(kb) = kiesige Blei- und Silbererzformation

Am gegenüberliegenden Talhang des Mordgrundes ist ein kleines Vorkommen des Nephelinbasalts (Bn) verzeichnet. Möglicherweise handelt es sich um die Fortsetzung des für die Vererzung bei der Gotteszeche verantwortlichen untertägig angetroffenen Basalts.

Geologische Karte: Blatt 102 - Berggieshübel (1913)

 

Geschichte der Gotteszeche

Die historischen Ursprünge der Gotteszeche sind im Dunkel der Geschichte verborgen. Etwa einen Kilometer nördlich der Zeche befanden sich zwischen Wachstein, Hackhübel und Hutstein die Fluren der untergegangenen Siedlung Erdmannsdorf, die 1379 urkundlich erwähnt wurde. Vermutlich wurde der Ort im Zuge des vierten Kreuzzuges der Hussitenkriege 1429 zerstört und fiel brach. 1445 wurde Erdmannsdorf als Wüstung bezeichnet. Trotzdem gewährten Kurfürst Ernst von Sachsen und Herzog Albrecht von Sachsen den Gewerken der Sankt-Katherinen-Grube zu Erdmannsdorf bei Gottleuba am 3. Juni 1478 die Münzbefreiung für die Dauer von 6 Jahren. Vermutlich sollte damit die Wiederbesiedlung von Erdmannsdorf gefördert werden. Am 14. August 1480 wird Nickel Fucke und seinen Mitgewerken eine Fundgrube und ein Erbstollen zu Sankt Katherinen verliehen. Weitere Nachrichten des frühen Bergbaus liegen (noch?) nicht vor.

 

Eine Wiederbesiedlung von Erdmannsdorf gelang jedoch auch durch die Vergünstigung des dortigen Bergbaus nicht, so dass die Fluren des Dorfes im 16. Jahrhundert weitgehend der Stadt Gottleuba zugeschlagen wurden. Das der Bergbau von Erdmannsdorf im Bereich der späteren Gotteszeche auf dem sogenannten Rathausberg umging liegt zumindest im Bereich des Möglichen.

  

Eine Wiederbesiedlung von Erdmannsdorf gelang jedoch auch durch die Vergünstigung des dortigen Bergbaus nicht, so dass die Fluren des Dorfes im 16. Jahrhundert weitgehend der Stadt Gottleuba zugeschlagen wurden. Das der Bergbau von Erdmannsdorf im Bereich der späteren Gotteszeche auf dem sogenannten Rathausberg umging liegt zumindest im Bereich des Möglichen. Interessant ist zudem die Tatsache, dass in dem 1784 erstellte Meilenblatt am Ort der späteren Gotteszeche eindeutig der Name "Gatter Zeche" zu lesen ist!

 

Als der Obersteiger Carl Gottlieb Zechel aus Berggießhübel im März 1859 die Mutung für das nun "Gotteszeche" genannte Grubenfeld beim Bergamt beantragte, ging er davon aus, dass der Bergbau hier bereits 50 Jahre zuvor eingestellt worden war. Verblieben war ein etwa 20 m tiefer Tagesschacht, von dessen Sohle aus eine 4 m lange Strecke nach Süden führte, von welcher aus man nochmals einen 10 m tiefen Schacht angelegt hatte. Damit war ein Quarzgang offengelegt worden, der teilweise bis zu einer Elle (ca. 57 cm) mächtig war. Der angeblich stark Schwfelkies führende Gang trug entsprechend seines sehr steilen Einfallens (ca. 70 ° in östlicher Richtung) den Namen Juliusstehender.

 

Inzwischen hatte sich eine Gewerkschaft gebildet, die das Grubenfeld der Gotteszeche zum Ende des Jahres 1859 übernahm. Zunächst fungierte der Stadtkassierer Friedrich Ferdinand Topf aus Gottleuba interimsmäßig als Grubenvorstand. Bei der ersten Gewerkenversammlung im 31. Mai 1860 wurde dann der Gerichtsamtsrendant Friedrich August Kamprath zum Grubenvorstand gewählt, während der ebenfalls aus Gottleuba stammende Tischlermeister Teichmann und F. F. Topf seine Stellvertreter wurden. Die sonstigen Gewerken setzten sich hauptsächlich aus regionalen Handwerkern und Angestellten zusammen, wobei aber auch Rittergutsbesitzer und überregionale Unternehmer sowie der Gottleubaer Bürgermeister in Vertretung der Stadtgemeinde Kuxe besaßen. Mit insgesamt 127 vergebenen Kuxen zu je etwa 1 Taler war die Gesellschaft aber verhältnismäßig kapitalschwach.

 

Zu dieser Zeit war einerseits der Schacht aufgewältigt worden und andererseits hatte man – dem Streichen des Juliustehenden folgend – etwa 200 m südlich in der Mulde des Apothekerwassers Schürfarbeiten begonnen. Der von 2 Bergleuten durchgeführte Schurf erfolgte in Richtung WNW, wobei die ersten Meter als offene Rösche verliefen. Bereits unmittelbar unter der Bodenschicht hatte man hier ein angeblich erzführendes Lager angetroffen. Ein kurz dahinter angefahrenes Gangtrum wurde in nordöstlicher Richtung auf 10 m verfolgt. Nur 4 m davon entfernt hatte man mit dem Schurf erneut ein Quarztrum angetroffen, welches in nördlicher Richtung durch eine Feldstrecke aufgeschlossen war. Da man meinte, hiermit den Juliusstehenden gefunden zu haben, wurde am Ende dieser Feldstrecke ein Abteufen zur weiteren Untersuchung begonnen.

 

Da nun der Zufluss von Wasser die Arbeiten beeinträchtigte und der Schurfstollen nur 30 m tiefer als die Hängebank des Tagesschacht angesetzt war, schmiedete man einen ehrgeizigen Plan: durch einen Erbstollen von der Talsohle des Mordgrundes sollte das Gebirge in einer Tiefe von 80 m aufgeschlossen werden. Allerdings musste die Stollenlänge bis zum vermuteten Antreffen des Juliusstehenden gut 400 Meter betragen. Bei dem geringen Kapital der Gewerkschaft, die nur eine kleine Belegschaft von Bergleuten zuließ, erscheint dieses Vorhaben geradezu verwegen. So riet auch Obereinfahrer Carl Lucius als Obereinfahrer der Berginspektion von der Durchführung des Projekts ab.

 

 

Bis Ende des Jahres 1860 hatte man eine Erzprobe vom Juliusstehenden bei Erzwardein Schiffner in Freiberg untersuchen lassen, wobei ¾ Theil Silber nachgewiesen worden sein sollen. Außerdem hatte der bekannte Geologe Prof. Hans Bruno Geinitz aus Dresden persönlich die Erzgänge der Gotteszeche begutachtet und diese als "erfreulich" bezeichnet. Obwohl ein Ersuchen um staatliche Fördermittel aus dem sogenannten „Bergbegnadigungsfond“ abgelehnt wurde, begann man daher im Mai 1861 mit der Auffahrung des Gotteszecher Hauptstollens. Dafür hatte man mit Antonie verw. Hauptmann von Carlowitz auf Cratza einen Pachtvertrag abgeschlossen, um auf der „Pfaffenwiese“ vor dem Mundloch des Stollens eine Halde schütten zu können.

 

Die Auffahrung des Stollens vollzog sich zunächst unter der Leitung des Steigers Querner aus Berggießhübel, bevor Obersteiger Zechel – der selbst Kuxinhaber war – diese Funktion übernahm. Der Stollenvortrieb wurde von ein bis zwei Bergmännern in Doppelschichten ausgeführt, wobei auf den ersten 25 m eine Türstockzimmerung eingebracht wurde. Im gesamten Stollenverlauf war zudem Tragwerk als Wetterscheider eingebaut worden. Auf diese Weise wurde der Gotteszecher Hauptstollen relativ gleichmäßig in gerader Linie ins Gebirge getrieben.

 

Bei der Gewerkenversammlung im Mai 1863 wurde mit Gerichtsamtmann Bernhardi aus Gottleuba als neuer Vorsitzender des Grubenvorstands gewählt. Zudem einigte man sich per Kompromiss auf die Anhebung der vierteljährlichen Zubuße je Kux auf Eineinhalb Taler (1 Taler und 15 Groschen). Im Vergleich dazu verdiente der Schichtmeister der Gotteszeche 15 Groschen je Woche, während der Steiger im gleichen Zeitraum 5 Groschen erhielt. Da Obersteiger Zechel inzwischen verstorben war, übernahm der im Berggießhübler Friedrichstollen angestellte Steiger C. W. Wiesner 1864 das Amt des Schichtmeisters. Aufgrund des sehr harten Gesteins, verlangsamte sich der Stollenvortrieb, mit dem im Jahr 1866 immerhin 4 Bergleute beschäftigt waren. Zudem waren damals auch nur noch 123 ½ von 127 Kuxen vergeben.

 

Im Januar 1868 wurde bei etwa 172 m Stollenlänge erstmals ein Gang mit Erzspuren angetroffen, der allerdings nicht abbauwürdig erschien. Andererseits wurde nun die Bewetterung schwieriger, weshalb man doppeltes Tragwerk einbauen musste. Als man bei 204 m Stollenlänge Anfang 1869 einen Gang mit Arsenkies auffand (gelb hervorgehoben), entschloss man sich, diesen per Querschlag anzufahren. Dazu nutzte man einen Bereich mit zerrüttetem Gestein („fauler Gang“) bei 186 m Stollenlänge, von wo aus man nach Südwesten, dann Westen einen Flügelort auffuhr. Nach 12 m hatte man im Oktober 1869 den Gang tatsächlich getroffen, musste aber feststellen, dass der erwartete Bleiglanz nicht beigemengt war. So wurde weder ein Erzabbau aufgenommen, noch der in Erwägung gezogene Wetterschacht auf dem Gangkreuz in Angriff genommen. 

 

Bei der Neuwahl des Grubenvorstandes im Juli 1869 war F. F. Topf erneut zum Vorsitzenden gewählt. Unter seinem Vorsitz ging der Vortrieb des Hauptstollens unvermindert voran, wenngleich die Personalsituation zunehmend schwierig war und dadurch der Gedingepreis pro aufgefahrenem Meter mit 25 bis 30 Taler recht hoch war. Zwischen 1874 und 1875 konnten die Kosten dann durch die Einführung der Förderung mittels Hunten um ein Drittel von vormals 98 auf nun 65 Mark reduziert werden. Im Vergleich dazu kostete ein Kux pro Quartal 24 Mark. Als 1875 Steiger Arno Henker aus Berggießhübel die Schichtmeisterstelle von dem in Ruhestand gegangenen Obersteiger Wiesner übernahm wurde bei 369 m Stollenlänge ein Gang mit Fluss-, Braun und Schwerspat angetroffen, was veranlasste, dass man das Grubenfeld per Mutung von 72.200 auf 165.600 Quadratmeter erweiterte.

 

Nach fast genau 15 Jahren schien schließlich der Lohn aller Mühen erreicht, als man am 12. Mai 1876 bei 388,5 m mit dem Hauptstollen einen Gang antraf, der „Rothgültig Fahlerz“ sowie etwas Arsen und Schwefel beinhaltete. Als Bergmeister Lucius im Oktober 1876 die Gotteszeche besichtigte, hatte man den Gang durch ein 3,5 x 1,5 m messendes und inzwischen 8 m tiefes Gesenk aufgeschlossen. Zur Enttäuschung der Gewerken zeigte sich aber, dass der Erzgehalt in der Tiefe abnahm und zudem der Wasserzufluss Probleme bereitete. Mit den zum Abteufen aufgewendeten 480 Mark wurden nur 3,5 bis 4 Zentner (ca. 200 kg) Erz und 3 Zentner (ca. 150 kg) Pochwerk erzielt. Dieses wurde zunächst in einer eigens dafür angelegten Erzkammer (2,1 m lang – 1 m breit – 1,8 m hoch) gelagert und erst im Jahr 1882 tatsächlich an die Muldenhütten bei Freiberg verkauft. Schlussendlich betrug der Gewinn daraus lediglich 80 Mark und 93 Pfennige. Im Verhältnis zu den mindestens 40.000 Mark die das Auffahren des Stollens gekostet haben erscheint dies geradezu lächerlich!

 

Obwohl der angetroffene Erzgang sich als nicht ergiebig zeigte, entwickelte sich im Laufe des Jahres 1876 eine gewisse Euphorie. So wurde mit einer hölzernen Kaue auf der Stollenhalde erstmals ein übertägiges Gebäude errichtet und andererseits das Grubenfeld mehrfach erweitert. Dies schien auch deshalb nötig, da der Dresdner Advocat Carl Lorenz im Mai, wohl aus spekulativen Erwägungen ein fast 816.000 Quadratmeter großes Grubenfeld namens „Louisen-Zeche“ [lila hervorgehoben], welches bis an das untere Ende des Dorfes Oelsen reichte, gemutet hatte. Im Juni zog die Gewerkschaft der Gotteszeche nach und mutete unter dem Namen „Ferdinand-Zeche“ [gelb hervorgehoben] den bewaldeten Hang bis zum Bienhof. Schließlich mutete auch Rittergutsbesitzer Schönberg-Pötting auf Haselberg, als damaliger Ersatzmann des Grubenvorstands, ein Schurffeld, welches von Oelsen über den Hohlen Stein bis zur Gottleuba verlief [blau hervorgehoben].

 

Wegen des Ausbleibens weiteren Erzes wurde die Arbeit im Gesenk vorerst eingestellt und zunächst lediglich der Hauptstollen weiter vorgetrieben. Als man nach 412,5 m den Juliusstehenden immer noch nicht erreicht hatte, wurde die Arbeit auch hier Anfang April 1877 beendet. Erstaunlicherweise wendete sich die Betriebsleitung nun wieder dem alten Schacht zu, der wohl seit mindestens 16 Jahren geruht hatte. Eine geräumige hölzerne Schachtkaue mit „blasendem Handventialtor“ wurde errichtet und im tiefer gelegenen Schachtbereich bei 26,5 m Teufe der Erzgang in Richtung SSW weiter untersucht. Als Bergmeister Lucius im September 1877 besichtigte, war die Versuchsstrecke bereits 12 m lang, wobei er feststellte, dass der „freundlich zu bezeichnende Gang […] zur Zeit fast aller Erzführung entbehrt“.

 

Der 1878 neu zusammengestellte Grubenvorstand F. F. Topf, Rittergutsbesitzer Ernst Wilhelm Pfau auf Giesenstein und Arzt Julius Mittag aus Gottleuba veranlassten ein weiteres Abteufen des Schachtes, der nun erstmals „Ernst Wilhelm-Schacht“ genannt wurde. Auch der hier aufgefundene Erzgang erhielt erst jetzt den Namen „Juliusstehender“. Obwohl die Kosten für das Abteufen sehr hoch waren, wollte man das Niveau des Gotteszecher Hauptstollens erreichen, wozu eine Teufe von ca. 84 m nötig war. Andererseits waren zwei der vier Bergleute mit der Untersuchung von zwei Gangtrümern im Hauptstollen unweit der Jahrestafel 1875 beschäftigt. 1880 wurde dann auch wieder im Gesenk gearbeitet, wo man 14,5 m Teufe erreichte und bei 9 m Teufe einen Probeort auf Erzspuren im südöstlichen Stoss anlegte. 

 

Schließlich kam der Elan der Gewerkschaft im Jahr 1881 zum Erliegen, da sowohl im inzwischen etwa 40 m tiefen Schacht, als auch im Gesenk kaum mehr Spuren von Erz entdeckt wurden. Auch eine vom Hauptstollen bei der Jahrestafel 1875 aufgefahrene Feldstrecke verlor nach anfänglichem Anschein ihre Erzführung, so dass man nach gut 20 m den Vortrieb einstellte. Der ausbleibende Erfolg hatte inzwischen dazu geführt, dass 70 der einstmals 127 Kuxe ausgefallen waren und somit das zur Verfügung stehende Kapital schmolz. Obwohl sich Friedrich Ferdinand Topf, ebenso wie Rittergutsbesitzer Pfau, aus dem Grubenvorstand zurückziehen wollte, übernahm er nochmals den Posten als Vorsitzender. Nach kurzzeitiger Unterbrechung, wurde die Arbeit im Mai 1881 mit 2 Mann Belegschaft darauf hin wieder aufgenommen. 

 

Die verbliebenen Gewerken der Gotteszeche fassten nochmals Mut, indem nun von der Jahrestafel 1875 in nördlicher Richtung eine Strecke in Richtung des Alten Schachtes aufgefahren wurde. Man wollte damit einen Gang untersuchen, der 12 m vor der Jahrestafel den Hauptstollen gekreuzt hatte. Bei seinem Besuch in der Gotteszeche bemerkte Bergmeister Lucius im August 1883, dass zwei Bergleute in Doppelschichten von 6 Uhr morgens bis 6 Uhr abends angestellt waren. Die Feldstrecke (östlicher Stollenflügel) war in nördlicher Richtung etwa 30 m aufgefahren worden, bevor man wegen Ausbleibender Erzspuren erneut eine Planänderung vorgenommen hatte. Mit einem markanten Knick nach Westen wurde ab der Jahrestafel 1883 nunmehr das vermeintliche Streichen des Juliusstehenden aufgesucht.

 

 Im September 1884 waren die finanziellen Mittel so gering geworden (nur noch 43 Kuxe vergeben), dass beim Finanzministerium um einen Erlass der Grubenfeldsteuer ersucht werden musste und man erneut staatliche Fördergelder beantragte. Während letzteres abgelehnt wurde, wurden die Steuern vorerst ausgesetzt. Der Vortrieb des Flügelorts ging indes in verlangsamtem Tempo voran, wobei man zu Beginn des Jahres 1886 auch bereits mehr als die bis zum Antreffen des Juliusstehenden prognostizierten 19 m erreicht hatte. Bei der routinemäßigen Befahrung durch Bergmeister Heucker (Berginspektion Freiberg II) im Januar 1885 stellte dieser jedoch zu seinem Erstaunen fest, dass man den Stollen „falsch geschossen“ hatte und mittlerweile parallel zum vermutlichen Gangstreichen arbeitete. Im Grubenriss zeigt sich dies an dem Umbiegen des Stollenverlaufs ab der Jahrestafel 1884.

 

Nur wenige Wochen später mussten die beiden verbliebenen Bergmänner entlassen werden, wodurch der Grubenbetrieb dauerhaft eingestellt wurde. Die Gewerkschaft existierte aber weiter, so dass Ende des Folgejahres nochmals eine Gewerkenversammlung erfolgte. Im Dezember 1887 wurde dabei der Gottleubaer Bürgermeister Gustav Emil Adolph Kaulisch zum Vorsitzenden des Grubenvostandes gewählt, nachdem in einer „stürmischen“ Gemeinderatssitzung der langjährige Vorsitzende F. F. Topf seinen Rücktritt erklärt hatte. Später gab Kaulisch gegenüber der Berginspektion an, er hätte bei den Bergleuten vor Ort in Erfahrung gebracht, dass diese „niemals irgend etwas Erz gefunden hätten“. Als er Topf öffentlich darauf angesprochen habe, sei es dann zum Eklat gekommen.

 

Obwohl sich daraufhin auch ein Großteil der verbliebenen Gewerken zurückgezogen hatte, wurden im Juni 1888 unter Aufsicht des bereits 60 Jahre alten Steigers Henker aus Oelsen die Arbeiten nochmals aufgenommen. Man hatte dazu das bereits zusammengebrochene Mundloch des Hauptstollens mit neuer Zimmerung versehen und arbeitete am Vortrieb im östlichen Stollenflügel. Die bereits im Juli anwesende Berginspektion beanstandete umgehend die von einem Ofen ausgehende Brandgefahr in der Kaue auf der Stollenhalde. Außerdem wurde der Sinn des Bergbaus angezweifelt, da man weiterhin den Juliusstehenden aufsuchte, der aber bereits in diversen Schürfen eine mangelnde Erzführung gezeigt hatte. Angesichts der Beanstandungen wurde der Betrieb nur zwei Wochen danach endgültig eingestellt.

 

Da bis zum Ende des Jahres 1889 keine neuen Gewerken gewonnen werden konnten, endete die Betriebsfrist für das Bergwerk. Nun begann jedoch die nervenaufreibende Phase der Verwahrung, denn die Bergaufsichtsbehörde verlangte das Verfüllen des Schachtes sowie das Zusetzen des Hauptstollens auf den ersten 25 m vom Mundloch aus. Bei der Besichtigung durch die Berginspektion zeigte sich der ursprünglich 1,6 x 2 m messende Ernst Wilhelm-Schacht bereits nur noch als „mannstiefe Binge“ über der noch die Kaue stand. Weil von der Schachthalde nur wenig Material entnommen worden war, schien es, als hätte der für die Verwahrung zuständige Steiger Henker die Schachteinbauten belassen und lediglich Gesteinsmassen darüber gestürzt. Dennoch wurde hier – entsprechend der fehlenden Gelder – keine weitere Verwahrung vorgenommen und schon im Folgejahr war auch die hölzerne Kaue eingestürzt. Im Bereich des Schurfstollens wurde damals nur noch die Rösche sowie die dazugehörige Halde vorgefunden. Damit war auch hier bereits jener Zustand eingetreten, der sich noch heute im Gelände abzeichnet.

 

 

Problematisch blieb der Hauptstollen. Die Berginspektion stellte im August 1890 fest, dass der Stollen zwar mit einer Tür verschlossen war, allerdings die extrem verfaulte Türstockzimmerung bereits nach 5 m zu einem Verbruch geführt hatte. Ein Jahr später war der eingebrochene Bereich bereits 5 m lang und man konnte von der Geländeoberfläche in den Stollen hineinsehen. Das von der Berginspektion geforderte Zusetzen auf den ersten 25 m konnte von den nur noch 2 Kuxinhabern nicht gewährleistet werden. Zudem war nun Bürgermeister Kaulisch als erster berufsmäßiger Bürgermeister in die Kleinstadt Nerchau bei Grimma gewechselt.

 

Um die Verwahrung des Stollens abzuschließen und die fälligen Grubenfeldsteuern zu tilgen wurde im Oktober 1893 schließlich ein Pfändungsbefehl erlassen. Möglicherweise brachten die noch in der Kaue befindlichen Gerätschaften wie ein Ungarischer Grubenhunt, ein Handwetterrad und der eiserne Pulverkasten mit Resten von Sprengpulver einen gewissen Betrag ein. Nachdem das Bergbaurecht am 02. Januar 1894 endgültig erloschen war, beauftragte das Bergamt den pensionierten Berggießhübler Steiger Mende mit der Verwahrung des Stollens. Für einen Akkordlohn von 45 Mark wurde der Verbruch verfüllt und eingeebnet sowie der Stollen dahinter mit einer 2 m mächtigen „guten Bergmauer“ ausgesetzt.

 

Damit war jedoch noch nicht das letzte Kapitel in der Geschichte der Gotteszeche geschrieben. Die Stadtgemeinde Gottleuba hatte zum 06. November 1923 erneut Bergbaurecht für das 68 Hektar, 31 Ar und 87 Quadratmeter große Grubenfeld „Gottes Zeche“ erhalten. Bis kurz vor Weihnachten hatte man daraufhin den Hauptstollen aufgewältigt, wobei der Berggießhübler Obersteiger Böhm feststellte, dass hinter dem Verbruch der Stollen fahrbar war. Die bisherigen Kosten von 60.000 Mark war von Privatpersonen getragen worden. Nun wollte sich die Stadt Bad Gottleuba ebenfalls mit 20.000 Mark beteiligen und mit weiteren 20.000 Mark aus privater Hand sollte eine Aktiengesellschaft gegründet werden.

 

Zustand des Hauptstollenmundlochs nach der Aufwältigung

(Aufnahme von Paul Schulz 1926 - Quelle: Deutsche Fotothek):

Das alte Mundloch lag vermutlich vorn an der Straße, während dahinter der 1890 erfolgte und später zugeschüttete Verbruch liegt.  Der mit der Holztür verschlossene Bereich dürfte etwa 10 m hinter dem ursprünglichen Stollenmundloch liegen.

 

 

Das im September 1924 von G. Moesta veröffentlichten Gutachten prognostizierte einen Betrag von maximal 15.000 Mark zur Erkundung der Grube. Mit 3 Bergleuten hätte auf diese Weise in höchstens 4 Monaten die Rentabilität des Bergbaus geklärt werden können. Dabei sollte sich die Arbeit vor allem auf das Gesenk und die Fortführung des östlichen Stollenflügelorts zum Juliusstehenden richten. Die „allgemeine Finanznot“ dieser Zeit verhinderte allerdings ein Zustandekommen der Aktiengesellschaft, so dass 1928 die erneute Verwahrung des Hauptstollens vorgeschlagen wurde. Im August 1929 ist durch den Einbau einer Trockenmauer hinter dem Mundloch und die Aufschüttung von Haldenmassen der Stollen endgültig aus dem Blickfeld geraten. Teile der Halde sind zudem für Straßenbauarbeiten abgefahren worden.

 

Das Mundloch des Gotteszecher Hauptstollens zeichnet sich durch eine Mulde jenseits der Straße, während rechts die Halde deutlich erkennbar ist.
Das Mundloch des Gotteszecher Hauptstollens zeichnet sich durch eine Mulde jenseits der Straße, während rechts die Halde deutlich erkennbar ist.

Literatur und weiterführende Informationen

  • Bergarchiv Freiberg

              40170 Grubenakten des Bergreviers Freiberg, Nr. 131 (Gottes Zeche 1860-1874) [LINK]

              40170 Grubenakten des Bergreviers Freiberg, Nr. 427 (Gottes Zeche 1874-1895) [LINK]

              40170 Grubenakten des Bergreviers Freiberg, Nr. 430 (Gottes Zeche 1923-1929) [LINK]

              40170 Grubenakten des Bergreviers Freiberg, Nr. 420 (Ferdinand Zeche 1877-1882) [LINK]

              40170 Grubenakten des Bergreviers Freiberg, Nr. 452 (Louisen Zeche 1876-1881) [LINK]

  • Walter Jobst, Hans Grundig: Um Gottleuba, Berggießhübel und Liebstadt (=Werte der deutschen Heimat, Bd. 4). Berlin 1961
  • Hermann Löscher: Das erzgebirgische Bergrecht des 15. und 16. Jahrhunderts. Urkundenbuch 1: 1400 - 1480. Freiberger Forschungshefte D213. Freiberg 2003
  • Georg Moesta: Die „Gotteszeche Fundgrube“, ihre Vergangenheit und die Aussichten bei einer Wiederinbetriebnahme. Hartmannsbach 1924