Der historische Eisenhammer Hasloch

Wie in vielen anderen deutschen Mittelgebirgen auch finden sich auch im Spessart Vorkommen von Eisenerz, die in den vergangenen Jahrhunderten gewonnen und verhüttet wurden. Die Abbauorte lagen im westlichen Teil des Gebirges um Bieber, Großkahl, Huckelheim, Laufach, Sommerkahl und Waldaschaff. Dabei spielte der Eisenerzergbau jedoch nur eine regionale Rolle, denn die Vorkommen waren vergleichsweise gering. Bei dem wirtschaftlich bedeutendsten Vorkommen um Bieber kam hinzu, dass es sich um Siderit (Fe[CO3]) mit einem hohen Arsengehalt handelte. Das daraus gewonnene Eisen neigte durch den hohen Arsengehalt zum Sprödbruch und musste deshalb in der Verhüttung mit arsenärmeren oder -freien Eisenerzen aus anderen Lagerstätten gemischt werden. Dies begrenzte die Rentabilität der Eisengewinnung.

 

Für die Verarbeitung bot der wald- und wasserreiche Spessart gute Voraussetzungen, so dass sich schon frühzeitig verschiedene Eisenhämmer und Schmelzhütten etablierten. In Laufach ist der Betrieb einer Hütte und eines Hammerwerkes schon seit 1525 nachgewiesen. Einen Aufschwung erfuhr die Eisenverarbeitung im 18. Jahrhundert. Aufgrund des Niedergangs der Glasindustrie setzte eine Auswanderungswelle aus dem Spessart ein. Das Erzbistum Mainz unter Carl Theodor von Dalberg (1744-1817) als Verwalter des Spessart setzte dem die Förderung der Eisenverarbeitung entgegen, um der Bevölkerung wieder Verdienstmöglichkeiten zu bieten. Die Förderung zahlte sich aus, in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bestanden im Spessart 14 Eisenhämmer, eine Gießerei und eine Eisenwarenfabrik. Aufgrund der geringen Erzvorkommen verarbeiteten die Hämmer vorwiegend altes Bruch- und Stückeisen. Die meisten der Anlagen stellten die Eisenverarbeitung zwischen 1856 und 1901 aus Rentabilitätsgründen ein. An den Standorten Laufach, Lohr und Hasloch blieben Gießereien als Nachfolgebetriebe erhalten. In Hasloch blieb zudem der historische Eisenhammer selbst funktionsfähig als Museum erhalten - der letzte seiner Art im Spessart.

 

Gründer des Eisenhammers waren die Brüder Tobias und Heinrich Wenzel, zwei Hammerschmiede aus Neulautern bei Heilbronn, die 1779 im Haselbachtal etwa drei Kilometer nördlich von Hasloch einen neuen Eisenhammer erbauten. Der Betrieb der Anfangsjahre scheint schwierig gewesen zu sein, denn schon 1786 verkauften die Brüder den Hammer an den Eisenhändler Friedrich Eberhard Ludwig Greineisen, der jedoch auch nur 14 Jahre als Hammerherr wirkte. 1800 gelangte der Hammer in die Hände der Brüder Johann Georg und Johann Friedrich Kurtz aus Michelstadt - und im Besitz der Familie Kurz sollte er nun verbleiben.

 

1852 wurde das Hammerwerk um eine Gießerei und 1860 um eine Maschinenbauwerkstatt ergänzt. 1855 wurden in Hasloch die ersten Wagenachsen in Bayern produziert, das machte den Standort überregional bekannt. Gießerei und Maschinenbau wurden in den nächsten Jahrzehnten stetig erweitert, nur mit diesen zeitgemäßen Produktionslinien konnte der Hammer Hasloch der Stilllegungswelle der Spessarter Hammerwerke im ausgehenden 19. Jahrhundert entgehen. Die Gießerei produzierte in den 1870er Jahren etwa 100 Guss- und etwa 160 Tonnen Schmiedeeisen pro Jahr, die Maschinenbaufabrik lieferte deutschlandweit Einrichtungen für Mühlen und Brauereien, Wasserräder, Turbinen, landwirtschaftliche Produkte und Geräte und anderes mehr. Über mehrere Generationen hinweg entwickelte sich die Firma Kurtz zu einem weltweit tätigen kleinen Konzern, der heute als Produktionsautomatisierer in Nischenmärkten mit der Herstellung von Lötanlagen, Partikelschaumstoffmaschinen und Niederdruckgießmaschinen zu den Weltmarktführern zählt. Die Gießerei wurde 2018 aus dem Unternehmensverbund verkauft.

 

Das historische Hammerwerksgebäude wurde 1978 umfassend saniert. Damals erfolgte hier noch die Produktion von etwa 600 Glockenklöppeln pro Jahr. Ursprünglich verfügte das Hammerwerk über vier verschiedene Hämmer, die von drei oberschlächtigen Wasserrädern angetrieben wurden. Zwei Schwanzhämmer, die von einem gemeinsamen Wellenbaum angetrieben wurden, sind nicht erhalten geblieben. Funktionsfähig erhalten sind ein Aufwerfhammer mit einer Schlagkraft von ca. 500 Kilogramm und einem Bärgewicht von ca. 170 Kilogramm und ein Schwanzhammer mit einer Schlagkraft von ca. 300 Kilogramm und einem Bärgewicht von ca. 135 Kilogramm. Bemerkenswert ist dabei der Aufwerfhammer, bei dem der Wellenbaum im Gegensatz zum Schwanzhammer nicht rechtwinklig, sondern parallel zum Hammer angeordnet ist. Der Hammerstiel wird bei jeder Hebebewegung gegen einen darüber angebrachten elastischen Prellbalken gedrückt, was die Kraftwirkung des Hammers deutlich verstärkt.

 

Literatur und weiterführende Informationen

  • Firma Ph. Kurtz (Hg.): 1779 - 1979: 200 Jahre Eisenhammer im Haselbachtal. Hasloch 1979
  • Robert Meier: Vom Haslocher Eisenhammer zu Kurtz Ersa. Eine glühende Unternehmergeschichte aus dem Spessart. Essen 2014
  • Spessartmuseum Lohr (Hg.): Eisengewinnung im Spessart (Informationsblatt). Lohr 1991
  • Hellmuth Wolff: Der Spessart - sein Wirtschaftsleben. Aschaffenburg 1905 (Digitalisat)
  • wikipedia-Eintrag "Eisenhammer Hasloch"