Bergbau und Eisenverhüttung am Erzberg (Krušná Hora) bei Neu-Joachimsthal (Nový Jáchymov)

Das ehemalige Amtsgebäude der Fürstenberg'schen Eisengießerei
Das ehemalige Amtsgebäude der Fürstenberg'schen Eisengießerei

Bergbau am Erzberg (Krušná Hora)

 

Bereits für die Zeit der keltischen Besiedlung wurden durch archäologische Untersuchungen Nachweise für die Erzeugung eiserner Werkzeuge im unmittelbaren Umfeld des Erzberges erbracht. Das Lager leicht schmelzbaren Eisenerzes war günstig gelegen, um mit dem damals zur Verfügung stehenden Abbaumethoden eine Förderung in verhältnismäßi großem Maßstab gewährleisten zu können. Sicherlich war das Erzlager auch der Ausgangspunkt für die Entstehung der noch heute berühmten keltischen Burgstätte bei Stradonice an der Beraun (Berounka), die zu den bedeutendsten Oppida und wichtigsten Produktionsstätten ihrer Zeit zählt.

 

Nach den Kelten führte die slawische Bevölkerung die Produktion hauptsächlich landwirtschaftlicher Geräte weiter. Auch während der gesamten später folgenden Feudalzeit blieb die Nutzung der Erzlager bestehen. Historische Quellen sind jedoch außerordentlich selten, was unter anderem daran liegt, dass Eisen neben anderen Metallen nicht unter das königliche Bergregal fiel und somit den Grundstückseigentümern zur freien Verfügung stand. Somit entstanden kaum Aufzeichnungen und Register, die in amtlichen Archiven hätten erhalten bleiben können. Die älteste Erwähnung über den Bergbau am Erzberg ist mit dem Jahr 1417 verbunden. Das hiesige Erzlager diente der Versorgung sämtlicher Eisenwerke im Bezirk Podbrdy und war somit eines der bedeutensten Lagerstätten Böhmens. Der kaiserliche Gouverneur der hiesigen Herrschaft Jan Kolenec z Kolna berichtete zum Jahr 1651, dass seit einer Reihe von Jahren die Erzförderung bei Hudlitz (Hudlice) und Otrotschin (Otročiněves) auf dem sogenannten "štok" erfolgte. Im Urbarium der Königshofer Herrschaft ist zum Jahr 1652 vermerkt, dass die Hüttenwerke Karlshütte und Althütte Eisenerze vom Erzberg erhalten. Die eben genannte Althütte befand sich bei Hiskau (Hýskov) an der Beraun. Sie ist bereits zum Jahr 1386 nachweisbar und gehört daher zu den ältesten Werke ihrer Art in diesem Gebiet. Sie war im Besitz der Familie Otta z Losu, ging dann an die königliche Kammer, später die Herrschaft Pürglitz (Křivoklát) und schließlich die Adelsfamilie Waldstein über. Die Neuhütte (das heutige Nischburg / Nižbor) wurde direkt durch die Familie Otta z Losu gegründet. Mitte des 17. Jahrhunderts gelangte sie in die Hände der Magdalena Polyxena z Ladronu und wenig später an die Herrschaft Pürglitz. Eine weitere Eisenhütte entstand um das Jahr 1660 in Hudlitz. Ihr Bestehen dauerte jedoch nur weniger als ein Jahrhundert, da Nachrichten aus dem Jahr 1750 sie bereits als "verlassen". beschreiben.

 

Die Familie Waldstein versuchte während ihrer Herrschaft über das hiesige Amt, die Naturschätze möglichst umfassend zu nutzen. In diesem Zusammenhang wurden die bisher eher primitiven Produktionsverfahren verbessert, so dass in der Nischburger Hütte ab 1706 schließlich eine Produktion von Waffen und Munition aufgenommen werden konnte. Nachrichten aus dieser Zeit bemerken jedoch, dass die Schächte nicht auf Teufen über ca. 30 m gebracht werden konnten, weil sie sich dann alsbald mit Wasser füllten und verlassen werden mussten obwohl noch reichlich Erz zum Abbau gestanden hätte. Man hatte daher nur die Möglichkeit einen neuerlichen Schacht anzulegen.

 

Im Jahr 1731 gelangte die Pürglitzer Herrschaft an die Familie Fürstenberg, deren erster Besitzer Fürst Egon von Fürstenberg, der obereste Burgraf zu Prag, war. Für den Erzberg bedeutete dies den Beginn eines umfangreichen Bergbaus mit der Ausbeutung des tieferen und reicheren Erzlagers unterhalb der Grundwassergrenze. Im Jahr 1772 wurde auf der Lagerstätte der erste Erbstollen (welcher alle Einzellager überfuhr und wohl auch entwässerte) angelegt. Er trug den Namen Josef (heute Zdenko) und mündete im Bereich des heutigen als Cech bezeichneten Bauwerks. Nach zwanzig Jahren war er in einer Länge von 570 m vollständig aufgefahren. Die 80er Jahre des 18. Jahrhunderts können folglich als der Beginn der wirklichen bergmännischen Förderung des Erzberger Erzlagers gelten. Durch den Hauptschacht war das Lager auf ca. 25 m aufgeschlossen worden (Adalbert-Lager / Vojtěšské ložisko). Mittels des Josef-Stollens konnte über einen Querschlag das östlichere Grubenfeld erschlossen werden (Franz-Joseph-Lager / Františsko-Josefského ložiska).

 

 

Lage der Grubenfelder nach Besitzern zum Jahr 1855: blau = staatlich / rot = Fürstenberg / gelb = Stousberg. (Quelle: Infotafel vor Ort)
Lage der Grubenfelder nach Besitzern zum Jahr 1855: blau = staatlich / rot = Fürstenberg / gelb = Stousberg. (Quelle: Infotafel vor Ort)

Ein Meilenstein in der neuzeitlichen Bergbaugeschichte am Erzberg war die im September 1794 erfolge Verleihung einer Fundgrube mit 24 Maßen und einem Erbstollen durch das Bergamt in Pribram an die  Kammerherrschaft Sbirow (Zbiroh), welche im Besitz der Familie Coloredo-Mannsfeld war. In rechtlicher Hinsicht gehörte das daraus entstehende Bergbauunternehmen dem Staat, weshalb man von den äraren Grubenfeldern sprach. Sechs Jahre später ließ sich auch die Familie Fürstenberg das Bergrecht für ihre Grubenfelder erteilen. Die Grenze zwischen den fürsenberg'schen und äraren Grubenfeldern verlief etwa 300 m östlich der Achse des Josef-Stollens. Erst gegen Mitte des 19. Jahrhunderts sicherte sich zusätzlich der auf dem Schloss Zbirow ansässige Unternehmer Strousberg Grubenfelder.

Der zentrale Teil des zur Kammerherrschaft Zbirow gehörenden Bergbauareals war der Hauptförderschacht. Er lag ca. 150 südwestlich der sogenannten Pyramide, einem Ort, an dem sich wichtige Forstwege kreuzen. Der Durchbruch zum Josef-Stollen wurde in einer Teufe von 72 m erreicht. Betrieben wurde er mit einem Pferdegöpel, der über zwei Seiltrommeln verfügte.

 

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